ehrich und kollegen
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Franchise oder Kooperation? Die Entscheidung eines jeden Unternehmers

Die fragmentierte Reisebranche hat in den letzten Jahrzehnten durch Kooperationen und Franchisesysteme an Struktur gewonnen. Die meisten Reisebüros sind heutzutage Teil von etwas Größerem. Woran das liegt und was Kooperationen sowie Franchisesysteme auszeichnet, will ich hier ausführen.

Die Entwicklung von Kooperationen und Franchisesystemen

Früher waren die meisten Reisebüros unter eigener Flagge tätig. Zusammenschlüsse boten jedoch Vorteile, weil Einkaufsverbünde eine bessere Verhandlungsposition hatten, die für das teilhabende Reisebüro in höheren Margen resultierte. Die Vorteile wirkten sich zunächst nur auf die generierten Umsätze aus, später auch auf die anfallenden Ausgaben. So ermöglichten Verbünde bessere Preise beim gemeinsamen Einkauf von beispielsweise Büromaterial, reduzierten also auch die anfallenden Ausgaben. Das Konzept der Kooperationen und Franchisesysteme war komplett.

Die Anforderungen an Unternehmer sind in den letzten Jahren durch eine fortschreitende Digitalisierung weiter gestiegen. Reisebüros müssen sich den vielfältigen Möglichkeiten einer modernen Kundenansprache widmen. Sie brauchen eine Website, nutzen digitales Marketing und entwickeln Applikationen. Hinzukommen rechtliche Anforderungen, etwa im Bereich der Datenarchivierung und europäischer Reiserichtlinien. Ein bunter Blumenstrauß an Herausforderungen, bei dem die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft hilft.

Wie Kooperationen und Franchisesysteme arbeiten

Sowohl Kooperationen als auch Franchisesysteme finanzieren sich in der Regel über Monats- oder Jahresgebühren. Darüber hinaus fallen Kosten für Teilbereiche der Begleitung an, etwa fürs Marketing oder die technische Infrastruktur. Im Vergleich der zwei Modelle bieten Kooperationen dem Unternehmer mehr Freiraum, vor allem in Hinblick auf die Positionierung der Eigenmarke. Franchisesysteme nehmen ihm mehr Arbeit ab und ermöglichen einen klaren Fokus auf den Verkauf von Reiseprodukten. In beiden Fällen aber bleibt der Inhaber selbständiger Unternehmer und haftet für seine Entscheidungen.

Welches System die bessere Lösung ist, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Bei welchem System fühle ich mich am besten aufgehoben? Welche Kenntnisse bringe ich mit und wie wichtig ist mir eine Eigenmarke?
  • Wie sind meine Mitbewerber am Markt positioniert? Wie sind sie organisiert, vor allem in Hinblick auf Franchisesysteme?
  • Will ich im Namen eines Veranstalters tätig werden oder Veranstalter-unabhängig agieren? Sowohl unter den Franchisesystemen als auch den Kooperationen finden sich beide Varianten.

Wer sich als Unternehmer im Rahmen einer großen Marke geborgener fühlt, sollte sich dieser anschließen. Ein Franchisesystem wäre dann die naheliegendste Lösung. Stehen die Chancen gut, die Eigenmarke auf dem Markt zu positionieren, ist eine Kooperation die bessere Wahl. Während die eine Option mehr Orientierung bietet, ermöglicht die zweite mehr unternehmerische Freiheit und Vielfalt. Inhaber müssen deshalb anhand der oben genannten Fragen abwägen, was es ihnen besonders wichtig ist.

Warum beide Modelle ihre Berechtigung haben

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass die Wahl zwischen Franchisesystem und Kooperation keine pauschale Empfehlung zulässt. Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“. Die Antwort ist immer eine sehr persönliche, abhängig von vielen internen und externen Faktoren. Für wichtig erachte ich lediglich, sich entweder für das eine oder das andere zu entscheiden. Im Alleingang sind die wachsenden Anforderungen an Reisebüros kaum zu bewältigen.

Welchen Effekt die Zugehörigkeit hat, sehe ich in meiner täglichen Arbeit. Im Rahmen unserer Beratung arbeiten wir sowohl mit Kooperationen als auch mit Franchisesystemen zusammen. Gehört ein Kunde einer Kooperation oder einem Franchisesystem an, können wir in gemeinsamer Absprache gezielte Unterstützung anfordern. Das erhöht den Nutzen für alle Beteiligten und realisiert bei der Unternehmenswertentwicklung zusätzliches Potenzial, das andernfalls nicht greifbar wäre.