ehrich und kollegen
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Warum Akademiker die schlechteren Nachfolger sind

Deutschland hat ein Nachfolgeproblem, auch in der Touristik. Die Lösung sind gut ausgebildete Fachkräfte, keine theoretisch geschulten Akademiker. Wer das vergisst, kippt Öl ins Feuer.

Viele Studenten verfallen alten Mythen

Zu meiner Schulzeit stand das Studium nur Abiturienten offen. Es bot die Garantie auf große Gehälter und Karrieren. Realschüler wurden im kaufmännischen und betriebswirtschaftlichen Bereich aktiv, etwa als Tourismuskaufmann (ehemals „Reisebürokaufmann“). So kam damals auch ich zur Touristik.

Irgendwann wurden die Kriterien unserer Branche angehoben. Ausbildungsplätze gingen vor allem an Abiturienten. Das lag zum einen am sich verändernden Anspruch der beteiligten Unternehmer, zum anderen am schrittweise steigenden Anteil der Abiturienten. 2016 lag er bei stolzen 41 Prozent.

Noch immer streben viele Abiturienten an Hochschulen im In- und Ausland. Sie hoffen mit abgeschlossenem Studium auf bessere Gehälter – und verfallen damit alten Mythen. Ein Studium rechnet sich im Durchschnitt erst ab dem 31. Lebensjahr, vorausgesetzt der Abschluss erfolgt nicht in schlecht bezahlten Fachrichtungen und in Regelstudienzeit.

Wir brauchen Macher, keine Akademiker

Es ist wahrscheinlich, dass dies zukünftig noch länger dauert. DIHK-Experten vermuten, „das Einkommensgefüge dürfte sich zugunsten der Lehrlinge verschieben“. Neben der Gehaltsfrage gibt es aber weitere Bedenken. Mir erzählen viele Studierte, sie könnten ein Großteil des erlernten Wissens nicht in der Praxis anwenden. Wie frustrierend!

Eine Ausbildung bietet Schulabgängern gegenteilige Erfahrungen: unmittelbarer Verdienst, praktisches Arbeiten und praxisnahes Lernen. Nach Bedarf ist auch ein anschließendes Studium denkbar, doch was bringt’s? Mit einer Ausbildung und wenigen Jahren Praxiserfahrung ist der Weg in die Selbständigkeit geebnet. Der demografische Wandel bietet hierfür allerbeste Möglichkeiten und allerlei Optionen.

Der Wandel unserer Branche fordert frische Ideen und Ansätze. Die Lösung sind junge Köpfe an der Spitze etablierter Unternehmen. Junge Köpfe mit fundierter theoretischer und praktischer Erfahrung: in der Praxis ausgebildete Fachkräfte mit Drang zum Selbermachen, keine Akademiker!